Ausstellungsprojekt Endmorane e.V. 2017

Weiße Schatten. Wege durch die verlassene Papierfabrik Wolfswinkel

22 kunstlerische Positionen auf 2 Wegen
durch 4 Hallen
an 6 Wochenendtagen
im Naturraum der Stadt Eberswalde

Eroffnung |
1. Juli 2017 15 Uhr

Ort |
Ehemalige Papierfabrik Wolfswinkel Eberswalder Str. 29
16227 Eberswalde

Ausstellungsdauer |
1. Juli – 16. Juli 2017 jeden Samstag und Sonntag
13 – 18 Uhr

www.endmoraene.de

 

Kontraste und Extreme gehören zu Endmoräne, dem inzwischen weit uber die Grenzen Brandenburgs hinaus bekannten Kunstlerinnen-Kollektiv, wie das Licht zum Schatten, das Weiche zum Harten, der Horizont zur Weite. Insofern ist es nur konsequent, dass der Verein selbst zunehmend an und über seine Grenzen geht und sich in diesem Sommer einer machtigen Herausforderung stellt: Sah man vor ein paar Jahren staunend, wie die Frauen das 9000 Quadratmeter große, widerständige Gelande eines ehemaligen Militärflughafens durchdeklinierten, hält einen beim aktuellen Vorhaben neben der künstlerischen Umsetzung abermals die logistische Machbarkeit in Atem.

Unweit von Berlin, in der so genannten „Waldstadt“ Eberswalde, einem der ersten Industriestandorte Deutschlands an der Schwelle zum Maschinenalter, befindet sich ein stilles Zeugnis der einstigen gewerblichen Blüte dieser Gegend. Ein Vierteljahrhundert lang formierten sich am Finowkanal zunächst Manufakturen, spater seit der Industrialisierung bis in die 1990er Jahre zahlreiche Fabriken, vornehmlich aus dem metallverarbeitenden Bereich. Darunter, gleich einer Prinzessin unter Rittern, die Papierfabrik Wolfswinkel, die wie viele volkseigene Betriebe nach der Wende privatisiert und kurz darauf geschlossen wurde.

Romantisch verschlafen und zugleich kühl morbide wirken die verlassenen Überbleibsel des frühindustriellen Denkmals, dessen steinerne Hallen mit Natur und Kanal eine entrückte Symbiose eingegangen sind, um im selben Augenblick beides zu konfrontieren.

Ebendieses Moment machen sich die Endmoräne Künstlerinnen zum komplexen Thema: Jene faszinierenden Kontraste, welche die verfallende Fabrik räumlich und geschichtlich bietet, bildnerisch partizipatorisch zu erschließen. Das hier einstmals produzierte reinweiße Papier im aktuellen Kontext zwischen Schutt und Schatten zu rekapitulieren. Und die Widersprüchlichkeit kaputter Schönheit und anziehender Verödung installatorisch umzusetzen. Ein Weißabgleich mit der Umgebung, der die Kunst auf die Situation vor Ort einstellt. Das Ganze mit Beteiligung des Publikums mittels eines Wegeleitsystems, auf dem man vorwärts durch das Gestern und zuruck in die Zukunft gehen kann.

Den Gegensätzen in und zwischen allen Dingen Raum, Form und Entfaltungsmöglichkeit zu geben, ist – so sei die These – die projekteigene Ausstellungsdialektik von Endmoräne. Wo viel Licht ist, ist viel Schatten. Ob eine Synthese gelingt, ist in dem Sinne nicht wichtig. Denn der Weg ist ja das Ziel. Ab dem 1. Juli in der ehemaligen Papierfabrik Wolfswinkel. Wenn 22 Künstlerinnen mitsamt Gästen passend zum Sujet wieder aus dem Vollen schöpfen. Papier ist angeblich geduldig. Endmoräne nicht. Auch darin bleibt sich das Projekt über die Jahre treu.

 

Zur Projekthistorie |

Als Kollektiv reichlich geschichtsträchtig, bespielen die ENDMORÄNE Künstlerinnen seit 25 wunderlichen Jahren leer stehende Orte und Gebäude im Berliner Umland. Mit raum- und themenbezogenen Arbeiten ziehen sie jeden Sommer kunstbegeisterte Besucher, Anwohnerinnen und Ausflügler aus Berlin und Brandenburg in ihren Bann. Der Standort gehört dabei zum Konzept genauso wie die alljährlich neue Auswahl geladener Gastkünstlerinnen aus In- und Ausland. In alten Kirchen, Schlössern, Ställen, Kasernen oder Bahnhöfen hat der Verein schon ‚residiert’. Und dieser Pionierarbeit verdankt das Land Brandenburg eine ganz eigene, zeitgenössische Ausstellungskultur. Der künstlerische Zugriff des Projekts ist prozessual und situationsbezogen: Kaum etwas entsteht vorab im Atelier. Mittels ästhetischer Methoden wie Partizipation, Recherche, Analyse werden sämtliche Arbeiten erst nach und nach vor Ort entwickelt, konkretisiert und umgesetzt. In einer zweiwöchigen Phase vor Ausstellungseröffnung, der so genannten ‚Sommerwerkstatt’, kann man nach Anmeldung der Kunst hinter die Kulissen blicken und aktuell sogar über den Weg laufen.

 

Weiße Schatten. Wege durch die verlassene Papierfabrik Wolfswinkel

Sommerwerkstatt 2017 – Arbeiten in situ: 19. bis 30. Juni 2017
Ausstellungseröffnung: 1. Juli 2017, 15 Uhr (geöffnet 13 – 18 Uhr), mit Führungen, Performances, Aktionen
Ausstellungsdauer: 1. bis 16. Juli 2017, jeweils Sa + So, von 13 – 18 Uhr
Ausstellungsort: Ehemalige Papierfabrik Wolfwinkel, Eberswalder Str. 29, 16227 Eberswalde
Zur Ausstellung erscheint eine Broschüre. Weitere Informationen über das Gesamtprojekt und die beteiligten Künstlerinnen sowie zu Verkehrsanbindungen, Führungen und Performances unter www.endmoraene.de

Mit Arbeiten von |

Ina Abuschenko-Matwejewa, Susanne Ahner, Kerstin Baudis, Ka Bomhardt, Anna Borgman, Claudia Busching, Monika Funke Stern, Gisela Genthner, Renate Hampke, Masko Iso, Ingrid Kerma, Gunhild Kreuzer, Angela Lubič, Barbara Müller, Dorothea Neumann, Patricia Pisani, Elke Postler, Ilka Raupach, Antje Scholz, Erika Stürmer-Alex, Christiane Wartenberg, Tina Zimmermann und in Kooperation mit Studierenden der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Die Ausstellung „Weiße Schatten. Wege durch die verlassene Papierfabrik Wolfswinkel“ steht unter der Schirmherrschaft der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg Dr. Martina Münch und wird gefördert aus Mitteln des Landes Brandenburg, der Stadt Eberswalde, der EWE Stiftung, des Landkreises Märkisch Oderland, der Stiftung der Sparkasse Märkisch Oderland, der Aktion KulturAllianzen, der Gerda-Weiler-Stiftung, der GLS Treuhand e.V. sowie von Volker Haerecke und der IndustrieKultur GmbH Wolfswinkel.

 

ENDMORANE, Kunstlerinnen aus Brandenburg und Berlin e.V.
Sitz: Kunsthof Lietzen, Falkenhagener Straße 10, 15306 Lietzen

Projektgruppe ENDMORÄNE 2017 |
Kerstin Baudis, Antje Scholz, Christiane Wartenberg
unter verantwortlicher Mitarbeit von Dr. Dorothee Bauerle-Willert

Kunstlerinnenkontakt und Ansprechpartnerin vor Ort |
Kerstin Baudis • Mobil: +49.(0)157.869.20437

Presse und Öffentlichkeitsarbeit |
Tine Neumann • Mobil: +49.(0)179.518.6766 • Email: tine.neumann@gmx.de

 

Pressemitteilung 2017 als pdf →